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Musik und Gedanken sind frei
Drei Jahre in Klagenfurt sollten das Leben des tschechischen Geigers Milan Vit verändern. Er lernte Freiheit kennen, dann musste er zurück hinter den Eisernen Vorhang. Seine erste Reise aus der damaligen Tschechoslowakei war behördlich genehmigt: Der gebürtige Pilsener, der Geige und Bratsche studiert hat, durfte 1969 ein dreijähriges Engagement am Stadttheater Klagenfurt annehmen. "Ich habe damals politische Freiheit kennen gelernt, Eigeninitiative und Kritikfähigkeit. Das alles war mir neu", erinnert sich Milan Vit. Umso härter war die Rückkehr nach Pilsen: Repression und dauernde "politische Schulungen" sollten ihn wieder auf Linie bringen. Das Gegenteil war der Fall: "Ich wollte nur weg, durfte aber nicht mehr in den Westen." Immerhin bekam er eine Stelle in Montenegro. Die er nie antrat: Denn der Zug fuhr über Klagenfurt. Vit stieg aus, suchte um politisches Asyl an und begann als Geiger am Stadttheater Klagenfurt. "Nie wollte ich Lehrer werden!", erinnert er sich, "aber dann lernte ich Gustav Mayer am Konse kennen, und wie er Kindern die Musik nahe brachte, hat mich fasziniert." Sieben Jahre lang studierte Vit bei Mayer Musikpädagogik. In dieser Zeit gründete er eine Familie. Ein Zurück gab es nicht: Er erfuhr, dass er in der alten Heimat aus politischen Gründen zu zwei Jahren Haft verurteilt worden war. Seit 1979 ist Milan Vit Österreicher. Als legendärer Geigenpädagoge hat er in 30 Jahren rund 1000 Kärntner Kindern die Liebe zur Musik vermittelt, auch mit Jugendtourneen und Musizierwochen. Bekannte Geiger wie Roman Krainz hatte er unter seiner Fittiche. "Ich habe drei Heimaten", sagt er, "Kärnten, Pilsen - und die Musik."
Kleine Zeitung, 10. Jänner 2010